Quartier Leineauen in Hannover mit graubraunen Klinkerbauten an der Straße und grünen Punkthäusern zur Landschaft

Zwischen Stadt und Natur

Kein gewöhnliches Wohnquartier

Am südlichen Stadtrand von Hannover, zwischen der Hildesheimer Straße und den Leineauen, hat das Büro Max Dudler ein Quartier für Wohnen und Arbeiten gebaut. Von Anfang an war das Ziel, kein gewöhnliches Wohnprojekt zu entwickeln, sondern ein Quartier mit eigener Identität.
Acht Häuser, zwei Fassadenmaterialien: graubrauner Klinker zur Stadt, grün glasierte Keramik zur Landschaft. Lisenen, Gesimse und Halbsäulen geben den Fassaden Tiefe.

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Die Peripherie neu denken

Der Stadtteil Wülfel liegt am Rand von Hannover. Hier treffen eine stark befahrene Straße, große Solitärbauten und das Grün der Leineauen aufeinander. Gesucht war mehr als eine Wohnanlage: ein urbaner Ort mit eigenem Charakter.

Einfach war die Planung nicht. Frischluftschneisen, Schallschutz sowie Geruchs- und Umweltgutachten mussten eng mit der Stadt abgestimmt werden.

A balancing act on the edge of the city

Balanceakt am Stadtrand

Überdachte Dachterrasse mit Klinkerwänden, Sitzbänken und Blick über die Leineauen
Foto: © Stefan Müller, Berlin, DE

Zwischen urbaner Dichte und grüner Landschaft

Zur Straße zeigt sich das Quartier städtisch. Zwei hohe Klinkerbauten bilden eine klare Kante, der Hochpunkt markiert den Stadteingang. Nach hinten werden die Häuser niedriger. Sechs Punkthäuser stehen versetzt zueinander und öffnen den Blick in die Leineauen.
Im Erdgeschoss der Straßenbauten liegen Gewerbe und Gastronomie, darüber Büros und Wohnungen. In den Punkthäusern dahinter wird nur gewohnt.

  • Gassen, Plätze, Gärten

    Blick von oben in eine Gasse zwischen grünen Punkthäusern auf die graubraunen Klinkerbauten
    Foto: © Stefan Müller, Berlin, DE
  • Zwei Personen in einer Gasse zwischen grünen Keramikfassaden und einem graubraunen Klinkerbau
    Städtische Dichte und robuste Fassaden bestimmen den Charakter der Quartiersräume. Foto: © Stefan Müller, Berlin, DE
    Dunkelgrün gestrichener Raum mit Holzsesseln und bodentiefen Fenstern mit Blick ins Grüne
    Das Quartier reicht bis an die Grünräume der Leineauen. Entstanden sind 165 Wohnungen, dazu Büros, Gewerbe und Gastronomie an der Straße. Foto: © Stefan Müller, Berlin, DE

Zwei Materialien, drei Fassaden

Nur zwei Materialien, und doch gleicht keine Fassade der anderen. Max Dudler hat drei Fassadentypen entwickelt. An den hohen Klinkerbauten betonen Lisenen die Vertikale, oben fasst eine „Krone“ mit leicht nach innen geknickter Fassadenlinie die letzten drei Geschosse. Die niedrigeren Wohnhäuser dahinter tragen umlaufende Gesimse.
Trotz der strengen Formen wirken die Fassaden abwechslungsreich, bisweilen sogar verspielt. Nebenbei erleichtern sie die Orientierung im Quartier.

Tiefe aus der Konstruktion

Die Tiefe der Fassaden entsteht in der Konstruktion. An den Klinkerbauten wechselt das System: zweischaliges Mauerwerk mit Vormauerschale und Wärmedämm-Verbundsystem mit Klinkerriemchen. So entstehen Lisenen und Rücksprünge, und die Fassade wirkt trotzdem wie aus einem Material. Nebenbei werden die Details einfacher und es bleibt mehr Nutzfläche.
An den grünen Häusern übernimmt das die Dämmung. StoTherm Mineral und StoTherm Vario liegen in unterschiedlichen Dicken auf der Wand. Gesimse und Halbsäulen sind hell verputzt.

„Die Stadtseite hat den dunklen Stein. Diese Farbnuance kommt aus dem ursprünglichen Rittergut. Die Gutsbrauerei ist noch vorhanden und wir haben die Farbgebung aufgenommen. Bei den grün glasierten Riemchen steht die Natur als Leitmotiv im Vordergrund. Es ist ein Kontrast, aber zugleich eine Einheit.“

Silke Meier zu Evenhausen, Max Dudler GmbH, Berlin, DE

Die Säule, neu interpretiert

Visualisierung einer Gasse zwischen Wohngebäuden mit grünen Keramikriemchen, hellen Gesimsen und Halbsäulen im regelmäßigen Raster
Visualisierung: © Max Dudler GmbH, Berlin, DE

Dauerhafte Qualität als Entwurfsprinzip

Klinker und Keramik sind robuste Oberflächen. Zusammen mit dem massiven Betonbau ergeben sie einen wehrhaften und fein artikulierten Ausdruck. Für die Übergänge zwischen den Materialien gab es Bemusterungen und ein Mock-up.
Gedämmt ist je nach Fassade mit 16 bis 20 Zentimetern, die U-Werte liegen zwischen 0,12 und 0,18 W/(m²K). Damit erreichen die Gebäude den KfW-55-Standard. Photovoltaik auf den Dächern und Retentionsflächen auf Dächern und Tiefgaragendecke ergänzen das Konzept.

„Erst auf den zweiten Blick ist ablesbar, dass es Putz ist. Wir haben bewusst Unebenheiten in der Putzfläche erzeugt. Es sollte nicht perfekt sein, sondern […] es sollte Schattierungen geben.“

Silke Meier zu Evenhausen, Max Dudler GmbH, Berlin, DE

Bautafel

Land
Deutschland
Stadt
Hannover
Bauherrschaft
World Investment Group, Hameln, DE
Architektur
Max Dudler GmbH, Berlin, DE
Fachhandwerk
Vrajolli Bau GmbH, Gifhorn, DE (Fassadendämmsystem) Muric GmbH Bauunternehmung, Eislingen, DE (Fassadenbekleidungen)
Sto-Kompetenzen
Fassadendämmsysteme (StoTherm Mineral, StoTherm Vario) mit variierenden Dämmstoffdicken; Putzoberflächen (StoSignature Fine 40; StoMiral® MP, Ft. RAL 7030); Halb- und Dreiviertelsäulen (StoDeco Light); Keramikriemchen (StoCera; individuelle Oberfläche); Klinkerriemchen (StoBrick; individuelle Oberfläche)
Fotos
Stefan Müller, Berlin, DE

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